Traditionsgemeinschaft Bw Halle P e.V.

Verbrennungstriebwagen 186 258-0

Verbrennungstriebwagen 186 258-0Wirtschaftliche Schwierigkeiten vielfältigster Art und die immer ernster zu nehmende Konkurrenz des Automobils hatten die Deutsche Reichsbahn Gesellschaft (DRG) veranlasst, besonders auf ihren Nebenbahnen nach einer rationelleren Gestaltung des Reiseverkehrs zu suchen. Dazu war eine Vielzahl unterschiedlichster Motortriebwagen entwickelt worden. Diese Versuchsserien wurden nur in geringen Stückzahlen gebaut, wobei Bahnverwaltungen und Hersteller immer wieder Unzulänglichkeiten erkannten.

Mitte der 1930er Jahre ging die DRG daran, die gesammelten Erfahrungen in der Konstruktion eines Nebenbahn- Einheitstriebwagens zusammenzufassen. In den Jahren 1937 bis 1938 wurden die Serien VT 135 061 - 076 und VT 135 083 - 132 ausgeliefert und in Dienst gestellt.

Bedingt durch den zweiten Weltkrieg und die Umorientierung auf vierachsige Triebwagen wurde der Einsatz der Baureihe VT 135.0 in größerer Stückzahl nicht mehr realisiert. 30 Fahrzeuge gelangten in den Bestand der Deutschen Bundesbahn, wo sie ab 1949 als VT 70.9 geführt wurden. Lediglich zehn Fahrzeuge übernahm die Deutsche Reichsbahn, wovon acht Triebwagen wieder in Betrieb genommen wurden.

Die Triebwagen der Baureihe VT 135 werden von einem Sechszylinder- Dieselmotor angetrieben. In einem separaten Maschinentragrahmen unter dem Wagenfußboden sind der Dieselmotor, das Wendegetriebe, die Wasser- und Ölkühler, die Kraftstoffbehälter und die Batterie untergebracht. Die Wechsel- und Achsgetriebe der Bauart Mylius besitzen Leichtmetallgehäuse. Bei der Steuerung werden über einen Seilzug die Gänge vorgewählt und beim Betätigen der Hauptkupplung durch Druckluft mechanisch geschaltet.

Der von der Waggonfabrik Rathgeber AG in München gebaute VT 135 110 wurde 1937 geliefert und bei der Direktion Dresden in Dienst gestellt. Dort befand er sich auch nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Mit seiner 110 kW Antriebsanlage bewährte er sich auch bei der Mitführung eines Beiwagens. Eine der bekanntesten Stammstrecken für den Einsatz dieses Triebwagens war der „Sächsische Semmering" Bad Schandau - Sebnitz. Von 1946 bis zum Mai 1958 erreichte der Triebwagen eine Laufleistung von 220.142 km; seine höchsten monatlichen Leistungen betrugen 6.027 km im Juli 1947 und 4.767 km im Januar 1949.

Im Jahre 1956 wurde der VT 135 110 anlässlich einer Hauptuntersuchung in ein Sonderfahrzeug umgebaut. Dabei wurden ein Salon, ein Schreibabteil mit zwei Tischplätzen und ein Schlafabteil eingerichtet. Letzteres ist nicht mehr vorhanden. Weiterhin wurde die Heizung verbessert, der Kühlwasser- mit dem Heizkreislauf vereinigt und breitere Fenstervorhänge angebracht. Im Mai 1961 bekam er tiefer gesetzte Schlusslaternen und die dritte obere Signallaterne. Ein Jahr später wurden Abfallbehälter, Aluminium- Gepäckraufen und Regenleisten über den Fenstern eingebaut. Nach diesen Arbeiten war der VT 135 110 ab 21. Juli 1962 ein Jahr im Bahnbetriebswerk Leipzig Hbf Süd beheimatet und wurde am 28. November 1963 zum Bahnbetriebswerk Halle G als Sonderfahrzeug zur Verfügung des Präsidenten der Reichsbahndirektion Halle umgesetzt. Er wurde aber auch häufig für Dienstfahrten des Bahnbetriebswerkes genutzt, z. B. um Lokführern Streckenkenntnisse zu vermitteln.

Im Rahmen der Umbezeichnung von Triebfahrzeugen bei der Deutschen Reichsbahn der DDR im Jahr 1970 erhielt der VT 135 110 seine neue Nummer 186 258-0. Ab 1983 als erhaltenswertes Museumsfahrzeug eingestuft, wurde der Triebwagen im Bw Halle G betriebsfähig erhalten. Seit Oktober 1994 ist 186 258-0 im Lokschuppen IV untergestellt und wird seitdem von der Traditionsgemeinschaft Bw Halle P betreut.